KI & Automatisierung

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Muss ich zu Claude wechseln?

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Claude als strategischen Sparringspartner

Das Titelbild für diesen Blogartikel ist mit KI erstellt

Muss ich jetzt zu Claude wechseln? Warum das die falsche Frage ist

Ständig kommt ein neues Modell raus. Mal zieht Anthropic mit Claude vorbei, mal legt OpenAI mit dem nächsten GPT Modell nach, und jedes Mal steht dieselbe Frage im Raum: Muss ich jetzt wechseln? Alle reden über Claude, alle hypen es, und wenn du gerade mit ChatGPT zufrieden bist, fühlt es sich trotzdem an, als würdest du etwas verpassen.

Ich halte das für die falsche Frage. Das heißt nicht, dass die Modelle egal sind. Die Frage nach dem Tool geht einfach an dem vorbei, was wirklich über deine Ergebnisse entscheidet. Dazu komme ich gleich. Lass uns im ersten Schritt klären, warum ein ständiges Hin und Her dich mehr kostet, als es bringt.

Warum ständiges Wechseln dich ausbremst

Die Anbieter überholen sich gegenseitig, und zwar im Wochentakt. Heute ist ein Modell von Anthropic vorn, nächste Woche zieht OpenAI wieder vorbei, dann bringt wieder Google ein Modell auf den Markt, das die anderen in den Schatten stellt. Wenn du bei jedem dieser Sprünge das Tool wechselst, bist du am Ende vor allem mit einem beschäftigt: mit dem Wechseln.

Jeder Umzug kostet dich Zeit, die nicht in der Rechnung auftaucht. Du hast dir in deinem Tool Abläufe eingerichtet, du weißt, wo was ist, du hast eine Routine im Formulieren deiner Anfragen. Jedes Tool lernt dich mit jedem Chat besser kennen und baut über die Zeit auch automatisch Kontext auf. All das musst du im neuen Tool neu aufbauen. Bis du dort genauso flüssig arbeitest, vergehen vermutlich Wochen. Und in der Zeit ist wahrscheinlich schon das nächste Modell erschienen, das dich wieder über einen Wechsel nachdenken lässt.

Der Zeitverlust durchs Wechseln ist real und sofort spürbar. Der Vorsprung eines minimal besseren Modells ist dagegen oft so klein, dass du ihn im Alltag kaum merkst. Ein reiner Plattform-Wechsel verbessert also fast nie die Qualität deiner Ergebnisse so stark, dass sich der zeitliche Aufwand lohnt.

Die ehrliche Antwort: Nimm, was dir liegt

Also nein, du musst nicht wechseln. Wenn du bei ChatGPT alles eingerichtet hast und damit vertraut bist, ist das ein echter Mehrwert. Du kennst die Eigenheiten, du weißt, wie du formulieren musst, um gute Antworten zu bekommen, und du verlierst keine Zeit mit Suchen.

Worauf ich achte, ist die persönliche Präferenz. Womit kommst du gut klar? Welches Tool liegt dir, von der Bedienung, vom Ton der Antworten, von der Art, wie es mit dir arbeitet? Das ist ein subjektives Kriterium, und das darf es auch sein. Ein Werkzeug, mit dem du dich wohlfühlst und schnell bist, bringt dir mehr als das objektiv beste, bei dem du ständig gegen die Bedienung ankämpfst.

Das heißt nicht, dass du nie ein anderes Modell anschauen sollst. Es heißt nur, dass der Auslöser deine eigene Erfahrung sein sollte, nicht der Hype auf Social Media.

Warum das Tool ohnehin nicht der entscheidende Faktor ist

Jetzt zum eigentlichen Punkt. Egal welches Modell du nimmst, ob Claude, ChatGPT, Gemini oder etwas anderes: Ohne Kontext produziert jedes von ihnen generische Antworten. Das Tool kennt dich nicht. Es weiß nicht, wer du bist, was du anbietest, wer deine Kunden sind und wie du klingen willst.

Genau da liegt der eigentliche Zeitfresser, und zwar unabhängig vom Tool. Mittlerweile kann man zwar eine Zusammenfassung des Gedächtnisses der KI exportieren und in eine andere Plattform importieren. Das ist schon mal ein guter Anfang. Ich habe trotzdem gemerkt, dass ich im Grunde immer das gleiche Set an Kontextinformationen brauche, egal ob ich mit ChatGPT, Claude oder Gemini arbeite. Je detaillierter die Kontextinformationen sind, desto individueller und passender sind die Ergebnisse, die ich bekomme. Jedes Mal, wenn ich ein neues Modell ausprobieren wollte, ging dasselbe von vorne los: Ich musste erklären, das bin ich, das ist meine Website, das sind meine Angebote, das sind meine Kunden. Immer wieder. Und wenn ich das nicht tue, bekomme ich Antworten, die für jeden passen und für niemanden wirklich.

Der Unterschied zwischen einem wirklich guten, individuellen und einem generischen Ergebnis liegt also nicht wirklich im Modell. Er liegt in dem Kontext, den du mitlieferst. Und das ist eine gute Nachricht, weil du diesen Teil selbst in der Hand hast.

Die Lösung: dein zentraler KI-Kontext-Ordner

Der erste Schritt ist einfacher, als du vielleicht denkst. Du sammelst alles, was die KI über dich und dein Business wissen sollte, an einem einzigen Ort. Bei mir ist das ein Ordner auf Google Drive, den ich schlicht "KI Context Files" genannt habe.

Was da hineingehört, sind die Dokumente, die du für deine Arbeit mit KI immer wieder brauchst. Bei mir sind das:

  • Mein Brand Guide: Worum geht es bei Light & Logic, was ist das Ziel, wer ist die Zielgruppe, welche Angebote gibt es und welche nicht, wie will ich sprechen, welche Farben, was will ich sagen und was nicht.

  • Eine Übersicht über meine Produkte und Angebote

  • Ein anonymisierter Lebenslauf, aus dem ich Kontaktdaten wie Adresse und Telefonnummer herausgenommen habe, weil ich mich damit wohler fühle. Wichtig ist mir hier, dass die KI mein Skillset versteht.

  • Ein Stärkenprofil, zum Beispiel aus einem Gallup-Test, einer DISC-Analyse oder einem anderen Persönlichkeitstest, sofern für die Aufgabe relevant.

  • Ein Dokument zu meiner aktuellen Situation: Was mache ich gerade, was sind meine Ziele, und was sind meine Rahmenbedingungen. Für mich ist zum Beispiel wichtig, dass ich eine kleine Tochter habe und somit nicht die Möglichkeit habe, "Vollzeit" an meinem Business zu arbeiten. Das ist relevant, wenn ich KI für Projektplanung und die Erstellung eines 12-Wochen-Plans oder eines Wochenplans benutze.

  • Kundenprofile oder Kundenavatare.

  • Beispiele zu LinkedIn- oder Instagram-Posts, und Notizen dazu, wie und warum ich schreibe.

Ein kurzer Hinweis dazu: Überleg dir bei jedem Dokument, welche persönlichen Daten du einem KI-Tool wirklich geben willst. Ich nehme zum Beispiel Kontaktdaten aus dem Lebenslauf, und bei Persönlichkeitstests oder Kundendaten entscheidest du selbst, was sich für dich richtig anfühlt.

Die Faustregel ist einfach: Wenn ein Dokument für das relevant sein könnte, was du mit der KI machst, leg es in den Ordner. Du musst nicht alles in jeden Chat oder jedes Projekt laden. Du musst nur wissen, wo es liegt, damit du es griffbereit hast, statt es über Drive, iCloud und lokale Festplatte zu suchen.

Und hier kommt der Bezug zum Wechseln zurück: Weil dieser Ordner tool-unabhängig ist, kannst du jederzeit ein anderes Modell ausprobieren. Wenn du hörst, dass Perplexity gut für Recherche ist, oder du Gemini testen willst, ziehst du einfach die passenden Dokumente in das entsprechende Kontextfenster oder einfach in den neuen Chat. Du fängst nicht bei null an, weil dein Kontext nicht im Tool steckt, sondern bei dir.

Wer will, kann noch einen Schritt weitergehen und einzelne Dokumente aus dem Ordner direkt ins KI-Tool einbinden, statt sie jedes Mal neu hochzuladen. In einem Claude-Projekt zum Beispiel kannst du Google Docs aus deinem Drive zur Wissensdatenbank hinzufügen. Der Vorteil: Sie bleiben mit Drive synchronisiert, sodass das Tool immer die aktuelle Version hat, wenn du ein Dokument änderst. Gerade bei Angebots- oder Positionierungsinformationen ändert sich da ja gerne mal was. 😉
Ein Detail dabei ist, dass diese Synchronisierung mit Google Docs funktioniert, nicht mit klassischen Word-Dateien. Die musst du vorher in Docs umwandeln. Ob du diese Verbindung einrichten willst, ist deine Entscheidung, nötig für den Anfang ist sie nicht.

Ein Anwendungsbeispiel: der Kontext-Ordner im Projekt

Der Kontext-Ordner ist der niedrigschwellige Einstieg. Er funktioniert sofort und mit jedem Tool. Wie das konkret aussieht, zeigt sich gut an einem Projekt, das du sowohl in Claude als auch in ChatGPT anlegen kannst.

In so einem Projekt verlinkst du genau die Dateien aus deinem Ordner, die für das Thema relevant sind. Das Projekt greift dann bei jedem Chat darauf zu, du musst den Kontext nicht jedes Mal neu mitgeben. Dazu kannst du einen Systemprompt hinterlegen, der festlegt, wie das Tool arbeiten soll, und das Projekt baut sich über die Zeit ein eigenes Gedächtnis auf, das getrennt von deinen übrigen Chats bleibt.

Wie ich mir auf diese Weise in Claude einen strategischen Sparringspartner gebaut habe, der meinen Kontext dauerhaft kennt, habe ich in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben.

Und jetzt?

Die Frage ist nicht, ob du zu Claude wechselst oder bei ChatGPT bleibst. Die Frage ist, ob dein Kontext zentral und griffbereit liegt. Wenn er das tut, wird der Toolwechsel zur Nebensache, weil du in Minuten von einem Modell zum nächsten ziehen kannst.

Gerade baue ich mir dafür die nächste Stufe: eine lokale Dokumentenstruktur, die verschiedene KI-Modelle lesen und bearbeiten können, unabhängig vom einzelnen Anbieter, zum Beispiel für die Arbeit mit Claude Code. Und auch hier zahlt sich die Sammelei aus: Für diese Struktur brauche ich im Grunde dieselben Informationen, vielleicht sogar noch mehr. Alles, was ich für meinen Kontext-Ordner schon zusammengetragen habe, bildet die Basis für diese nächste Stufe. Ich fange also nicht von vorne an, sondern baue auf dem auf, was schon an einem Fleck liegt.

Wie diese lokale Struktur aussieht und wie ich sie aufsetze, teile ich, sobald es steht. Wenn du das nicht verpassen willst, trag dich in meinen Newsletter ein.

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