Claude als Sparringspartner
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Das Titelbild für diesen Blogartikel ist mit KI erstellt
Wie ich mit Claude einen strategischen Sparringspartner gebaut habe, der mich wirklich kennt
Auf LinkedIn sammelt gerade jeder Prompts. Fertige Textbausteine, die angeblich bessere Antworten aus ChatGPT oder Claude herausholen. Mich hat das von Anfang an skeptisch gemacht, weil der Prompt zwar wichtig ist, aber der eigentliche Hebel ganz woanders liegt. Ein einzelner Prompt trägt keinen Kontext über meine Situation, und ohne den bleibt die Antwort allgemein, auch beim zehnten Versuch mit der perfekten Formulierung.
Was bei mir wirklich etwas verändert hat, war ein Claude-Projekt, das ich über längere Zeit mit echtem Kontext über mein Business aufgebaut habe. Der Unterschied zeigt sich im Ergebnis: Ein Prompt beantwortet die gestellte Frage, während ein Projekt einbezieht, was ich für das Projekt als Informationen hinterlegt und in anderen Chats gesagt habe, und die Antworten und Empfehlungen daran anpasst.
Warum Prompt-Sammlungen das eigentliche Problem nicht lösen
Eine Prompt-Bibliothek mit hundert fertigen Formulierungen verspricht, dass man damit schneller und besser arbeitet. In der Praxis stimmt das nicht. Man testet einen Prompt nach dem anderen und ist vor allem beschäftigt, ohne dass am Ende etwas Brauchbares und vor allem Individuelles herauskommt. Der Grund liegt im Prinzip: Ein einzelner Prompt ohne Kontext bleibt austauschbar. Er funktioniert für jeden gleich gut oder gleich schlecht, weil er niemanden kennt. Die KI ist nicht so gut wie der Prompt, den du eingibst. Sie ist so gut wie der Kontext, den du ihr vorher gegeben hast.
Es ist wie bei einem Handwerker, dem du sagst: „Bau mir was Schönes", ohne zu erklären, wofür, für welchen Raum, mit welchem Budget. Das Ergebnis kann gar nicht passen, weil die entscheidenden Informationen fehlen.
Was ein Projekt technisch anders macht
Claude und ChatGPT bieten beide eine Projekt-Funktion an, die sich strukturell von einem einzelnen Chat unterscheidet. Bei Gemini heißt das Gegenstück "Gems" und funktioniert ähnlich. Ein Projekt besteht aus drei Teilen: einer Anweisung, die einmal definiert wird und für jeden Chat innerhalb des Projekts gilt, einem Speicher, der sich über die Zeit aus den geführten Gesprächen aufbaut, und Kontext-Dateien, die man gezielt hochlädt.
Der entscheidende Punkt: Jeder neue Chat innerhalb dieses Projekts greift auf alle drei Teile zu. Man fängt bei einem wiederkehrenden Thema also nie wieder bei null an.
Inzwischen merken sich Claude und ChatGPT auch über einzelne Chats hinweg einiges. Die globale Erinnerungsfunktion fasst zusammen, was in den normalen Gesprächen so anfällt. Der Vorteil eines Projekts liegt woanders: Jedes Projekt hat einen eigenen, abgeschotteten Speicher, der sich nicht mit anderen Themen vermischt. Meine Blog-Strategie bleibt getrennt von einer Kundenarbeit, und beides bleibt getrennt von einem privaten Thema. Dazu kommen die feste Anweisung und die hochgeladenen Dateien, die in einem einzelnen Chat oder in der globalen Erinnerung so nicht vorhanden sind.
Deshalb eignen sich Projekte besonders gut für bestimmte Rollen, die du immer wieder brauchst und die einen klar abgegrenzten Kontext haben. Ein strategischer Sparringspartner fürs eigene Business ist eine. Andere könnten sein: ein Karriereberater, der deinen Lebenslauf und deine Ziele kennt, oder ein Kreativpartner, der deinen Stil und deine Themen im Kopf hat. Jede dieser Rollen lebt in ihrem eigenen Projekt, mit ihrem eigenen Kontext – ohne dass sich die Themen gegenseitig ins Gehege kommen.
Wie ich mein Projekt aufgebaut habe
Ich habe bei mir ein Projekt angelegt, das ich "Strategischer Mentor und Thought Partner" genannt habe. Die Anweisung darin baut sich aus vier Bausteinen auf.
Der erste Baustein ist, wer ich bin – mein Hintergrund, meine Positionierung, was mir wichtig ist. Der zweite ist, wo ich gerade im Leben stehe. Das klingt zunächst nach Nebensächlichkeit, ist aber der Baustein, der die meisten Antworten beeinflusst: Ich hab eine kleine Tochter, die ich jeden Nachmittag betreue. Das bedeutet weniger verfügbare Zeit als bei jemandem ohne diese Verpflichtung, und jede Empfehlung, die das ignoriert, geht an meiner Realität vorbei.
Der dritte Baustein ist ein Entscheidungsrahmen: Zahlt ein Vorschlag auf meine eigentlichen Ziele ein oder nicht? Ich möchte, dass das bei jeder Idee, die ich besprechen möchte, und bei jedem Vorschlag, der von Claude kommt, geprüft wird. Der vierte legt fest, wie sich Claude in diesem Projekt verhalten soll. Bei mir ist das z. B. kritisch gegenüber Trends, mit dem Anspruch, die Norm zu hinterfragen, statt mir generischen Standard-Content vorzuschlagen.
Dazu kommen Kontext-Dateien, die ich gezielt hochgeladen habe: mein Brand-Guide, mein Lebenslauf, ein DISC-Profil, ein CliftonStrengths-Test. Der Grund ist einfach: Antworten sollten sich danach richten, wo meine Stärken und Grenzen liegen, nicht nach einem generischen Durchschnittsprofil. Bewusst weggelassen hab’ ich persönliche Daten wie Adresse oder Telefonnummer. Die braucht kein Projekt, um gut zu funktionieren.
Was sich dadurch konkret verändert hat
Sehr deutlich wurde der Wert meines KI-Sparringspartners bei diversen Trainings und Kursen, die ich kaufen wollte. In Beispiel war ein KI-Marketing-Club. Super spannend, aber der Fokus dort lag stark auf Social-Media-Reichweite, vor allem Instagram. Mein strategischer Partner hat mir gespiegelt, dass mich das aktuell vermutlich mehr ablenkt, als es mich voranbringt. Meine Zeit ist begrenzt, weil ich ja schon mehrere Themen gleichzeitig verfolge, und weil die Zeit für meine aktuellen Ziele ohnehin knapp ist. Die konkrete Rückfrage war: Was bringt Social-Media-Reichweite, wenn dahinter kein System steht, das Interessenten überhaupt in eine E-Mail-Liste konvertiert? Die eigentliche Priorität war nicht Reichweite, sondern der Blog, die Website und die E-Mail-Marketing-Struktur zum Laufen zu bringen. Das Training habe ich nicht gekauft. Stattdessen habe ich die Zeit in genau diese drei Baustellen gesteckt.
Eine zweite Situation war weniger strategisch und mehr praktisch. Ich hatte einen Tag, an dem mir alles zu viel wurde: zu viele Themen gleichzeitig, keine Ahnung mehr, wo ich anfangen soll. Ich hab’ alles in den Chat gekippt, ungeordnet. Mein KI-Sparringspartner hat mir daraufhin gespiegelt, was ich in früheren Gesprächen als Prioritäten festgelegt hatte, und mich an meine eigentlichen Ziele erinnert. Das hat mir jetzt keine neuen Informationen gebracht, aber enorm geholfen, mein Gedankenchaos zu sortieren. Und genau das hab ich gebraucht, um wieder ruhiger zu werden, die nächsten Schritte zu erkennen und so meinen Fokus setzen zu können.
Nicht jedes Tool für jede Aufgabe
Ein Projekt in Claude ist stark, wenn es um Strategie, Struktur und Text geht. Für andere Aufgaben nutze ich bewusst andere Werkzeuge, statt alles in ein Tool zu zwingen.
Ein Beispiel ist visuelle Gestaltung. Für ein Moodboard auf Basis meines Brand Guides habe ich beide Tools ausprobiert, und ChatGPT hat das Ergebnis vom Design und Stil her deutlich besser getroffen als Claude. Die Titelbilder für meine Blogartikel erstelle ich wiederum mit Gemini, über ein eigenes Gem, das ich dafür eingerichtet habe. So hat jede Aufgabe das Werkzeug, das sie am besten löst.
Das ist für mich der eigentliche Punkt im Umgang mit KI: Ein Tool ist nicht automatisch für jede Aufgabe das richtige, nur weil man es gewohnt ist. Es lohnt sich, das für die eigenen wiederkehrenden Aufgaben einmal auszuprobieren.
Und jetzt?
Wenn du selbst viel mit KI arbeitest und dich dabei oft wiederholst, ist ein eigenes Projekt vermutlich der nächste richtige Schritt. Du musst nicht alles auf einmal hinterlegen, bei mir ist der Kontext über Wochen gewachsen, Stück für Stück. Das Wichtigste ist: Probier’s einfach aus und schau, ob es für dich einen echten Mehrwert bringt.
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